Christian IX.

Christian IX. folgte 1863 dem kinderlosen Frederik VII. auf den Thron und war der erste Monarch aus der Glücksburger Linie der dänischen Königsfamilie. 1842 heiratete er Prinzessin Louise von Hessen-Kassel, mit der er sechs Kinder bekam, von denen später vier auf europäischen Thronen saßen. Das Königspaar, die Ururgroßeltern I.M. Königin Margrethe II., erhielten vor diesem Hintergrund den Beinamen „Europas Schwiegereltern“.

Ein unwahrscheinliches Zusammenspiel aus persönlichen, familiären und politischen Faktoren führte dazu, dass Christian IX. König wurde. Er stammte aus einem Seitenzweig des Hauses Oldenburg und war Sohn des relativ armen Herzogs Wilhelm von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg, einem Freund und Schwager Frederiks VI. Nach dem frühen Tod des Vaters 1831 wurde er unter der Vormundschaft Frederiks VI. in Kopenhagen zum Offizier ausgebildet; den entscheidenden Schritt in Richtung Thron machte er durch die Hochzeit mit Prinzessin Louise. Eine wichtige Rolle für seine Ernennung spielte auch die Teilnahme am Schleswig-Holsteinischen Krieg (1848-50) auf dänischer Seite und dass er Anhänger des Gesamtstaates war, also einer dänischen Monarchie, die Schleswig, Holstein und Lauenburg umfasste. Die Entscheidung, ihn zum Thronfolger zu ernennen, wurde 1852 von zahlreichen europäischen Mächten getroffen.

Die Regierungszeit Christians IX. wurde von der Niederlage 1864 geprägt. Da er deutscher Abstammung war und mit starkem Akzent sprach, war Christian IX. in seinen ersten Jahren nicht sonderlich beliebt bei der Bevölkerung – dies änderte sich jedoch während seiner langen Regentschaft. Sehr hilfreich war u. a., dass die vorteilhaften Ehen seiner Kinder Dänemark nach der Kriegsniederlage in neuem Glanz erstrahlen ließen. Christian IX. hatte eine konservative Gesinnung und war viele Jahre lang Garant für die Regierungsmacht der konservativen Partei Højre. Während der sogenannten Provisoriumszeit in den 1870er und 1880er Jahren regierte Højre dank der Unterstützung des Königs ohne den Reichstag.

 

Beziehungen

Modell von Amalienborg

Schloss Amalienborg ist in vielerlei Hinsicht einzigartig. Die vier Palais waren ursprünglich als Domizile für Hochadelsfamilien erbaut worden und überhaupt nicht für das Königshaus vorgesehen. Dennoch sollte die Anlage ideal als Residenz für die königliche Familie funktionieren, die 1794 nach dem Brand von Schloss Christiansborg hier einzog. Dass Amalienborg einmal diesem Zweck dienen sollte, lag in erster Linie an der außerordentlich gelungenen Architektur, doch die harmonischen Proportionen und die elegante Rokoko-Ausschmückung sind nur eine Seite der Medaille. Die andere ist der äußerst praktische Umstand, dass die verschiedenen Generationen der königlichen Familie die Palais unter sich aufteilen konnten – und das ist im internationalen Vergleich wirklich einzigartig. Als Hommage an dieses fantastische Bauwerk haben wir ein großes interaktives Modell von Amalienborg erstellen lassen, das man im Gartensaal des Palais Christians VIII. erleben kann. Das 2013 eingeweihte Modell wurde aus dem Verbundwerkstoff Corian angefertigt. Die Darstellung der Palais ist äußerst detailgetreu und berücksichtigt die jeweils charakteristischen Merkmale der vier Gebäude. Das Modell steht parallel zur eigentlichen Schlossanlage. Die Reiterstatue Frederiks V. ist auf Basis eines 3D-Scannings einer kleineren Bronzeausführung der Skulptur, die sich im Palais Christians VII. befindet, besonders exakt wiedergegeben. Rund um das Modell stehen iPads, mit denen man die Schlossanlage erkunden und mehr über die Palais und ihre wechselnden königlichen Bewohner erfahren kann. Hier sind die Geschichte und die heutige Verwendung der einzelnen Palais beschrieben, reich illustriert mit ausführlichem Bildmaterial. Komplettiert wird das Modell von zahlreichen Geschichten über Amalienborg – z. B. über die große Säulenkonstruktion, die Kolonnade, die wie eine Art Brücke zwischen den Palais Christians IX. und Christians VII. errichtet wurde, oder über die Grabung des Tunnels unter der Straße Frederiksgade, die es der Königsfamilie während des Zweiten Weltkriegs ermöglichen sollte, vor der Besatzungsmacht zu fliehen. Am anderen Ende des Gartensaals wird das heutige dänische Königshaus präsentiert mit Informationen über die Aufgaben der einzelnen Mitglieder. So erhält man einen Überblick über die vielen Staatsbesuche I.M Königin Margrethe II., kann den Kalender des Königshauses anklicken und sich einen Film über dessen Alltag anschauen.

Die Geschichte der Sammlung

Das Museum im Palais Christians VIII. auf Schloss Amalienborg ist eine neuere Ergänzung zu den königlich dänischen Sammlungen auf Schloss Rosenborg, die in den 1660er Jahren von Frederik III. begründet wurden. Anfang des 19. Jahrhunderts entstand die Idee, Rosenborg der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und 1812 wurde das noch immer geltende Prinzip festgelegt, nach dem die historischen Interieurs den wechselnden Generationen der Königsfamilie chronologisch folgen sollen. 1833 wurde die Chronologische Sammlung der Dänischen Könige gegründet und 1838 konnte Rosenborg für Publikum geöffnet werden. Damit wurde ein Rundgang durch das Schloss zu einer Zeitreise durch die dänische Geschichte von Christian IV. bis in die damalige Gegenwart, denn bei der Eröffnung war bereits ein Raum für Frederik VI. eingerichtet, der erst im Jahr darauf starb. 1868 wurde ein Raum Frederik VII. gewidmet, der fünf Jahre zuvor verstorben war, und auch Christian IX. erhielt 1910 einen Raum auf Rosenborg. Damit war der begrenzte Platz im Schloss nun bis auf den letzten Quadratmeter ausgenutzt. Wollte man der Sammlung spätere Könige hinzufügen, musste dies an einem Ort geschehen. Da bot sich zunächst einmal das Palais Christians IX. auf Schloss Amalienborg als Möglichkeit an, denn das Palais war seit dem Tod Christians IX. 1906 nahezu unverändert. In den 1950er Jahren ergriffen König Frederik IX. und Königin Ingrid die Initiative, das Arbeitszimmer Christians IX. und das Wohnzimmer von Königin Louise zu erhalten. Außerdem sorgte man dafür, das Interieur des Arbeitszimmers Christians X. im Palais Christians VIII. zu bewahren, das nach dem Tod von Königin Alexandrine 1952 verpackt worden war. 1965 schuf Frederik IX. durch eine königliche Resolution die juristische Grundlage zur Einrichtung einer Abteilung der Chronologischen Sammlung der Dänischen Könige auf Amalienborg. Damit konnte 1977 im Erdgeschoss des Palais Christians IX. ein Museum über die Glücksburger Linie des Königshauses eröffnet werden, das jedoch bereits 1982 wieder schloss, da es sich in der Praxis als unzweckmäßig herausstellte, im Residenzpalais des Regentenpaares ein Museum zu betreiben. Nach einer umfassenden Restaurierung des Palais Christians VIII. bot sich die Möglichkeit, das Museum im Erdgeschoss dieses Palais einzurichten, was eine Verdopplung der früheren Ausstellungsfläche bedeutete. 1994 wurde hier ein Museum wiedereröffnet, das der ursprünglichen Idee treu geblieben war – der Ausstellung historischer Interieurs, die den königlichen Generationen folgen. Bei der Eröffnung verfügte man über das Arbeitszimmer Christians IX., das Wohnzimmer von Königin Louise, das Arbeitszimmer Christians X. sowie das Speisezimmer von Christian X. und Königin Alexandrine. Die größere Ausstellungsfläche bot zudem die Möglichkeit, das Arbeitszimmer Frederiks VIII. zu rekonstruieren, außerdem konnte man über mehrere Räume verfügen, die heute als Gartensaal, Gewandraum und Goldkäfig bekannt sind. In den 1990er Jahren wurde dem Museum das Interieur des Arbeitszimmers von Frederik IX. übertragen, so wie es beim Tod des Königs 1972 ausgesehen hatte. Der Raum wurde anlässlich des 100. Geburtstags des Königs am 11. März 1999 für Publikum eröffnet. Seit der Eröffnung arrangiert das Museum Führungen durch die Beletage des Palais, wo man die prächtigen klassizistischen Interieurs von Nicolai Abildgaard bewundern kann, die er im Auftrag von Erbprinz Frederik nach der königlichen Übernahme von Amalienborg 1794 schuf. Seit Juli 2013 ist die Beletage jeden Samstag für die Besucher des Museums frei zugänglich.