Stue

2 Das Schreibzimmer Christians IV.

In dieser Turmkammer, die einfach zu beheizen war, erledigte Christian IV. seine umfangreiche Korrespondenz. Die Einrichtung präsentiert sich im Großen und Ganzen wie zu Christians Zeiten in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts: die Deckengemälde mit Szenen des italienischen Epos „Orlando furioso“ (Der rasende Roland), die Paneele mit eingefassten Gemälden und der Kamin. Die Wandbekleidung aus grüner Seide mit aufgedruckten Goldornamenten stammt jedoch von etwa 1700.

Im Ausbau der Kammer hinter der Tapetentür an der Nordwand befand sich eine Treppe, die direkt in den Keller führte. Diese Treppe ließ Frederik III. später durch einen Aufzug, einen „hoch fahrenden Stuhl“, ersetzen, wie er zu jener Zeit groß in Mode war. Der Stuhl konnte mit einem Seil o. Ä. in den ersten und zweiten Stock hinaufgezogen werden, so dass man sich das Treppensteigen ersparte.

Der Exponate im Schreibzimmer sind in erster Linie Andenken an Christian IV., seine nächste Familie und seine Eltern.

Raum 3 ->

Exponate
201 – 209
201. Gemälde von Christus als Schmerzensmann. Traumgesicht Christian IV. auf Rodenburg, 8. Dezember 1625. mit seiner eigenhändigen Beschreibung desselben.
202. Der Erwählte Prinz Christian. Im Hintergrund sein Vater (wie auf Nr. 103). Gemälde von Adnan Muiltjes, um 1635-39.
203. Cristian IV. zu Pferde vor Kronborg. im Hintergrund der erwählte Prinz zu Pferde. Derselbe Maler wie Nr. 102.
204. Geschnitzter Hirschkopf mit dem Geweih des Hirsches, der 1611. von den vorrückenden Schweden aufgescheucht. in das dänische Quartier in Kalmar flüchtete und dadurch das Heer weckte.
206. Christian. Il. (1481-1559, König 1513-23). Halbfigur auf Holz. Alte Kop1e nach Quentin Massys.
207. Frederik I. (1471-1533, König 1523). Halbfigur auf Holz von Jacob Binck?
208. Königin Anne Cathrines Hund, auf dem Halsband ihr Monogramm, Gemälde datiert 1598.
209. Christian IV. Gemälde von Pieter lsaacsz, um 1612.
210 – 219
210. Deutsche »Kronenuhr« mit beweglichen Figuren, den deutsch-römischen Kaiser und die sieben Kurfürsten darstellend. Ende des 16. Jahrhunderts.
211. Kabinett aus Ebenholz mit vergoldeten, getriebenen und gravierten Metallplatten. Auf den Schubladen die Heldentaten des Herakles und die 12 Patriarchen, an den Seiten Szenen aus Virgil Solis‘ Bibelillustrationen von 1560 und oben Szenen aus Solis‘ Illustrationen zu Ovids Metamorphosen, 1563. Die Löwen an den Füßen haben bewegliche Kiefer und Augen. 1751 aus der gottorfschen Kunstkammer nach Kopenhagen überführt.
212. Renaissance-Stuhl. Bezug aus Seidensamt mit gewebtem Muster mit dem gekrönten C4. Aus dem Seidenwerk Kopenhagen, um 1623?
213. Taburette, mit Bezügen wie Nr. 212, geschnitzt von Christian Nerger, um 1690.
214. Feuerbock aus Messung aus den späteren Jahren Christians IV.
215. Fensterscheibe mit dem schleswig-holsteinischen Wappen und dem Namen des Schwagers Christian IV., Herzog Johan Adolph von Gottorp (1575-1616).
216. Springbrunnenhahn in Form eines Neptuns, der auf einem Delphin reitet. 17. Jahrh.
218. Königin Sophie, als Witwe. Ausschnitt eines Ganzfigurporträts, von Pieter Isaacsz, ca. 1610-15.
219. Christian IV. Ganzfigur, signiert: A. M. (Adrian Muiltjes?) 1638.
220 – 229
220. Königin Sophie, Gemahlin Frederik II. , geb. Herzogin von Mecklenburg (1557-1631 , vermählt 1572). Die Königin tragt vermutlich ihr Hochzeitskleid zu einer goldenen Krone mit weissen Perlen. Halbfigur, von Hans Knieper, 1578?
221. Christian IV. als Knabe, von Hans Knieper, ca. 1585.
222. Frederik II., Alabaster-Relief, nach dem Tade des Königs (1588) von Gert van Egen gefertigt?
223. Zinnkrug aus der Aussteuer der Tochter Christian IV. Sophie Elisabeth, 1632. Bei Ausgrabungen in der an den Park grenzenden Gothersgade gefunden.
224. Zinnteller aus der Aussteuer, die Christian IV. 1638 seinem Sohne Hans Ulrik Gyldenløve schenkte.
225. Krug aus gebranntem Steingut mit dem dänischen Wappen. Rheinische Arbeit von 1623.
226. Silberbecher, 1584 für Herzog Julius von Braunschweig-Lüneburg (1528-89) angefertigt als Andenken an die Gründung der Heinrichstadt, eines Viertels der heutigen Stadt Wolfenbüttel.
227. Kohlenbecken aus Erz und Prunkschüssel aus Messing zur Aussteuer Leonora Christinas gehörend, 1636.
228. Silberne Laterne, für den König vom kopenhagener Goldschmied Hans Trægaard.
229. Silberner Becher mit Kirsten Munks Namen und Wappen, von Hermann Lambrecht in Hamburg.
230 – 239
230. Silberner Krug mit dem Wappen Kirsten Munks und der Jahreszahl 1653, von Daniel Harder in Odense.
231. Deckelkrug aus Silber in Form eines Zwergs. Der Henkel wird von zwei Affen gebildet, die einander umklammern. Der Stempel AB steht vermutlich für Arent van Bolten, Amsterdam, 1608.
232. Davids Psalmen, silberner Einband mit David, auf der Harfe spielend.
233. Deckelbecher, 1600 von Gabriel Brockmüller in Hillerød für Christian IV. gefertigt, als dieser in einer Mässigkeitsprobe über seine Hofleute gesiegt hatte.
234. Zwei salznapfe aus Wanli-Porzellan, gefasst in vergoldetem Messing mit Perlen, Türkisen und Edelsteinen. Um 1610.
235. Gerichtssiegel Christian IV., 1630.
236. Privates Siegel des Königs.
237. Siegel der Stadt Christianstad.
238. Zwei Hundehalsbänder aus Leder. Sie gehörten der Kurfürstin Hedevig von Sachsen (1581-1641), der Schwester Christians IV.
239. Zwei kleine Nachtlampen aus Silber und Bergkristall, in Form von Schiffen, von um 1600.
240 – 249
240. Christian IV. und Königin Anna Cathrine, silberne Plaketten wahrscheinlich nach den Porträts J. van Doorts von Nic. Svabe ausgeführt. In einem neueren Rahmen gefasst.
241. Kompass Christian IV. von 1595.
242. Frederik III. als jüngerer Mann. Miniatur auf Kupfer.
243. Natternkopf mit einem salzburgischen Guiden. Laut Kunstkammer- Inventar gefunden von Frederik III. bei Frederiksborg nach der Belagerung durch die Schweden. Laut einer anderen Tradition aus dem vorigen Jahrhundert verlor Christian IV die Münze auf einem Spaziergang bei Frederiksborg. Die Natter fasste die Münze und der König schlug ihr den Kopf ab. Doch hatte sich die Schlange so in die Münze verbissen, dass sie sie auch im Tode nicht hergab.
244. Christian IV., Miniatur von A. Magerstadt?
245. Christian IV. Emailminiatur auf Gold. Unbek. Künstler. ca. 1640.
246. Waagengewicht aus Silber, angefertigt von Konrad Most und Urban Wolf, Nürnberg, 1585-98.
247. Tischuhr, von Steffen Brenner, 1561. 1584 Christian IV. von seinem Vater geschenkt. Ziffernblatt unter Frederik V. restauriert.
248. Christian IV. Wachsporträt. Um 1640.
250 – 251
250. Christian III. (1503-59, König 1534). Gravierte Silberplatte 1535 von Jacob Binck.
251. Frederik II. zu Pferd (1534-88, König 1559). Alabasterrelief.

Beziehungen

Die Geschichte des Schlosses

Vom Lustschloss zur Lieblingsresidenz Das mittelalterliche Kopenhagener Schloss war hoffnungslos veraltet, so dass dem jungen und ambitionierten Renaissancefürsten Christian IV. ein passendes Domizil in der Hauptstadt fehlte. 1606 erwarb er daher 40 Grundstücke außerhalb der nördlichen Wallanlage, die nicht nur Platz für sein Lustschloss, sondern auch für einen prächtigen Park und einen Nutzgarten zur Versorgung des Hofes boten. Die Anfänge des Schlosses als kleine Eremitage waren bescheiden, doch innerhalb von 28 Jahren erlebte es vier Bauphasen und wurde 1633 in seiner heutigen Form vollendet. Christian IV. hielt sich sehr gerne hier auf und machte das Schloss zu seiner Lieblingsresidenz. Diese Liebe war so groß, dass er auf dem Totenbett im Schloss Frederiksborg den Befehl erteilte, ihn mit dem Schlitten nach Rosenborg zu transportieren, um dort aus dem Leben zu scheiden. Dies geschah schließlich im Schlafgemach des Königs. Die Architektur Mit seinen hohen Türmen und dem mit Sandsteinornamenten verzierten roten Mauerwerk präsentiert sich Schloss Rosenborg heute als bedeutender Vertreter der Bautätigkeit Christians IV. und trotz zahlreicher Veränderungen wie aus einem Guss. Erbaut wurde es im charakteristischen niederländischen Renaissancestil, der so typisch wurde für dänische Bauwerke aus jener Zeit. Als königliche Baumeister des Schlosses fungierten die Architekten Bertel Lange und Hans van Steenwinckel. Christian IV. wusste viel über Architektur und widmete sich seinen Bauwerken mit Leib und Seele. Sein persönlicher Beitrag zur Entstehung von Schloss Rosenborg wird häufig diskutiert, doch steht zweifelsfrei fest, dass viele Ideen von ihm stammten. Die vier Bauphasen des Schlosses Die Jahre 1605-1606 Das Lusthaus, das heute den Kern der südlichen Hälfte von Rosenborg ausmacht, war zweistöckig, mit einem von einer Spitze gekrönten Treppenturm in Richtung Stadt und einem Erker als Pendant auf der Ostseite. 1611 wurde ein Torturm mit einer Zugbrücke errichtet, der den Mittelteil des heutigen Torhauses bildet. Das Schloss in den Jahren 1613-15 Im Laufe der drei Jahre wurde das Lusthaus auf das Doppelte erweitert. Dadurch erhielt das Gebäude seine heutige Länge, war aber weiterhin nur zweistöckig. Auf der Ostseite hatte das Schloss jetzt zwei Erker und dazwischen einen Treppenturm. Das Schloss in den Jahren 1616-24 1615 war das Gebäude bezugsfertig; die Bauarbeiten gingen aber im nächsten Jahr weiter. Das Schloss wurde um das Stockwerk erhöht, das den Rittersaal umfasst, und die Erker wurden in die heutigen Türme mit spitzem Abschluss umgebaut. Auf der Westseite entstand der große Turm. Die Bauarbeiten endeten 1624, und im gleichen Jahr bezeichnete Christian IV. sein „großes Haus im Garten“ erstmals als Rosenborg. Das Schloss im Jahre 1633 Noch immer fehlte dem Schloss ein passender Zugang zu den offiziellen Gemächern im ersten und zweiten Stock. Dieses Detail wurde noch sehr viel wichtiger, als Christian IV. 1634 die überschwängliche Hochzeit seines Sohnes Christian mit Magdalena Sibylla ausrichten sollte. Der vorhandene Treppenturm wurde abgerissen und ersetzt durch den heutigen Treppenturm und eine äußere Doppeltreppe, die von den Außentüren an den Seitentürmen in die erste Etage führten. Die innere Treppe des Turms verband anfangs nur den ersten und den zweiten Stock und wurde erst 1758, als man die äußere Treppe abriss, ins Erdgeschoss weitergeführt. Rosenborg als königlicher Wohnsitz Rosenborg diente als königlicher Wohnsitz bis ca. 1710, als der Urenkel Christians IV., Frederik IV., anderen und zeitgemäßeren Sommerresidenzen den Vorzug gab. Stattdessen machte er das Schloss zum Rahmen für die Königlich Dänischen Sammlungen. Und das ist der Grund für die vielen gut erhaltenen Interieurs, die eine Besonderheit von Rosenborg sind. Ursprünglich war das Schloss so eingerichtet, dass sich die Privatgemächer im Erdgeschoss befanden. Dem König stand das nördliche, der Königin das südliche Ende zur Verfügung. Im Mittelteil befand sich ein quer verlaufender Vorraum, von dem aus eine Holztreppe in den ersten Stock führte. Hier nahm der „Rote Saal“, der Festsaal aus dem ersten Lusthaus, den gesamten südlichen Teil ein. Der Mittelteil umfasste einen Vorraum und am nördlichen Ende lag das Audienzgemach des Königs. Die Verteilung der Räume rund um den Rittersaal im zweiten Stock ist unverändert. Unter Frederik III. tauschten König und Königin die Wohnbereiche im Erdgeschoss und die Räume wurden so ausgeschmückt, wie es einem absolutistischen König würdig war. Frederik III. ließ zudem im nördlichen Turm einen „hoch fahrenden Stuhl“ (Aufzug) anbringen. Christian V. hinterließ sein wichtigstes Vermächtnis im Rittersaal in Form von 12 Gobelins mit Darstellungen seiner Siege im Nordischen Krieg von 1674-79. Frederik IV. ging da schon radikaler zur Sache. Der quer verlaufende Vorraum wurde in den Steinkorridor und das Dunkle Zimmer unterteilt, das der König als gemeinsames Schlafzimmer des Regentenpaares einrichten ließ. Die Raumaufteilung im ersten Stock wurde so verändert, wie sie sich heute präsentiert. Nach Frederik IV. wurde Rosenborg nur zweimal als königlicher Wohnsitz genutzt – in beiden Fällen handelte es sich um eine Notsituation: nach dem Brand von Schloss Christiansborg 1794 und während des britischen Angriffs auf Kopenhagen 1801.